Handchirurgie am Stadtpark in Nürnberg

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Deutsche Gesellschaft Chirurgie

 

 

 

 

 

 

Fingerfrakturen

Fingerbrüche (Frakturen) können bei ungünstigem Behandlungsverlauf zu ganz erheblichen Funktionsstörungen und langdauernden Beschwerden führen. Bei einem Knochenbruch am Finger bricht in der Tat nur ein relativ kleiner Knochen. Verglichen mit dem Bruch eines großen Bein- oder Armknochens verliert der Körper auch relativ wenig Blut. Der Allgemeinzustand des Verletzten ist wenig beeinträchtigt. Dadurch kann die Fingerfraktur leicht in ihren Problemen unterschätzt werden.

Eine Fraktur heilt dann besonders gut aus, wenn der gebrochene Knochen lange genug ruhig gestellt wird. Die Hand und insbesondere Finger benötigen aber für die Funktion ständige Bewegung. Ein Finger, der nur wenige Tage ruhig gestellt ist, verliert bereits teilweise seine Bewegungsfähigkeit und braucht meist mehrere Tage, um die zuvor normale Beweglichkeit wieder zu erreichen.

Deshalb müssen bei Brüchen der Finger zwei völlig gegensätzliche Notwen-digkeiten in Einklang gebracht werden, nämlich einerseits die Ruhigstellung und andererseits die Notwendigkeit der Bewegung.

Behandlungsprinzipien

Prinzipiell gibt es bei Fingerbrüchen zwei Behandlungswege

sowohl die konservative als auch die operative Behandlung der Fingerbrüche haben ihre besonderen Vorteile aber auch Nachteile. Es muss vom Behandler und vom Patienten gemeinsam individuell abgewogen werden, welche Behandlungsweise für die jeweilige Fingerfraktur im Einzelfall das Beste ist.

Konservative Behandlung von Fingerbrüchen

Viele Fingerbrüche heilen unter konservativer, d.h. nicht operativer Behandlung, gut und mit zufrieden stellender Funktion aus. Ob eine solche Behandlung infrage kommt, kann z.B. anhand des Röntgenbildes analysiert werden.

Ein wenig verschobener Bruch ohne wesentliche Gelenkbeteiligung kann ohne Probleme konservativ behandelt werden. Ziel der Behandlung ist eine Ausheilung des Bruches in möglichst natürlicher und anatomischer Stellung.

Brüche die verschoben sind, können in entsprechender Betäubung eingerichtet (reponiert) werden. In der Regel werden solche Brüche durch Zug am Finger reponiert.

Frühfunktionelle Behandlung von Fingerbrüchen

Bei einfachen Brüchen am Grundglied und Mittelglied, die nicht verschoben und stabil sind, kann eine sog. frühfunktionelle Behandlung durchgeführt werden. Dabei wird der gebrochene Finger mit dem gesunden Nachbarfinger mittels zweier Kunststoffschlaufen verbunden. Der verletzte Finger wird dabei durch den gesunden Finger geschient. Anders als bei der Gipsruhigstellung können die Finger bei dieser Behandlung sofort bewegt werden. Diese Behandlung wird für etwa vier Wochen durchgeführt und nach dieser Zeit ist der Bruch in der Regel ausreichend fest verheilt und die Hand kann wieder zunehmend belastet werden. Diese Behandlungsform ist jedoch nur bei stabilen Brücken möglich, die weitgehend exakt stehen oder zumindest nach Reposition exakt stehen. Bei richtiger Anwendung lassen sich mit diesem Behandlungsverfahren schnell sehr gute Funktionsergebnisse erzielen.

Konservative Behandlung von Fingerbrüchen durch Ruhigstellung

Ungeeignet ist diese Methode jedoch bei instabilem Brüchen, bei nicht exakt reponierbaren Brüchen oder auch bei Brüchen in der Nähe der Fingergelenke, wenn durch den Bruch eine Unebenheiten der Gelenksfläche entsteht.

Es gibt deshalb auch zahlreiche Brüche, die durch eine Gipsruhigstellung behandelt werden können. Dabei ist insbesondere auf die korrekte Position der Fingergelenke zu achten. Die Fingergrundgelenke sollte in der Regel in möglich starker Beugung ruhig gestellt werden. In Streckstellung sind nämlich die Seitenbänder erschlafft und würden im Laufe der Ruhigstellung schrumpfen. In der Folge würde dann eine erhebliche Beugebehinderung entstehen. Anders ist es bei den Mittelgelenken und Endgelenken, hier wird in der Regel eine Ruhigstellung in Streckstellung angestrebt, weil es sonst sehr oft zu Kontrakturen in Beugestellung kommt.

Operative Behandlung von Fingerbrüchen

Ist eine Fraktur in Gelenknähe stark verschoben, so würde nach Heilung des Bruches das Gelenk durch die Unebenheit verschleißen und es könnte eine Arthrose entstehen. Hier ist das Risiko der Operation sicherlich das kleinere Problem. In diesen Fällen ist eine möglichst exakte Wiederherstellung der Gelenksfläche notwendig.

Die operative Behandlung kann aber auch Nachteile hervorrufen. Durch den operativen Zugangsweg können Verwachsungen des Sehnen oder Gelenke entstehen. Deshalb wird bei den meisten Versorgungen von Fingerfrakturen eine so genannte übungsstabile Osteosynthese angestrebt, damit können die Nachteile der operativen Versorgung weit gehend vermieden werden.

Durch die frühfunktionelle Behandlung können Verwachsungen und Kontrakturen sehr oft verhindert werden. In diesen Fällen hat die operative Behandlung gegenüber der Ruhigstellung klare Vorteile.

In der Regel sollten auch offene Brüche operativ versorgt werden, da über die offene Hautwunde eine Verbindung des Knochens nach außen besteht und Bakterien in dem Bruch-Bereich gelangen und zu schweren Infektionen am Knochen führen können.

Zur Stabilisierung von Frakturen mit Metallimplantaten sind für die Finger sehr kleine Implantate entwickelt worden, die wenig bei der Bewegung behindern. Prinzipiell gibt es die Möglichkeit der Osteosynthese mittels Drähten, Metallplatten, Schrauben oder einem äußeren Spanner.

Sehr wichtig bei der operativen Versorgung der Fingerbrüche ist, darauf zu achten dass durch die Osteosynthese kein Drehfehler entsteht. Dieser würde sich später beim Faustschluss in einer Überkreuzung oder Unterkreuzung der anderen Finger bemerkbar machen und müsste in der Regel operativ durch eine so genannte Derotations-Osteotomie korrigiert werden.

Drähte müssen in der Regel entfernt werden, wenn der Bruch verheilt ist. Die Schrauben und Platten bestehen in der Regel aus Titan und sind sehr grazil und behindern dadurch die Funktion der Finger kaum. Wenn alle Schrauben korrekt liegen und nicht gelockert sind können Titanschrauben und Titanplatten heute auch meistens belassen werden.

Risiken der operativen Behandlung von Fingerbrüchen

Die Verwendung moderner Schrauben und Plattensysteme aus Titan bei Fingerfrakturen verringert die Gefahr, dass ein Bruch nicht ausheilt, eine Garantie ist aber nicht zu geben. Je nach Zeitverlauf wird bei verzögerter Knochenheilung von einer so genannten Delayed Union (bis acht Monate) oder einer Falschgelenkbildung (Pseudarthrose) gesprochen. In der Regel muss dann in einer zweiten Operation die Pseudarthrose entfernt werden und eine neue Fixierung meistens mit Verpflanzung von Knochen aus der Speiche oder vom Becken in die alte Bruchstelle erfolgen.

Daneben bestehen alle Risiken jeder Operation wie Infektion, Blutung, Wundheilungsstörung, Nervenverletzungen, Sehnenverletzungen. Bei unzureichender Übungsbehandlung können Bewegungseinschränkungen resultieren.Wie bei allen Operationen und Verletzungen besteht das Risiko eines komplexen regionalen Schmerzsyndromes (CRPS).

Tiefe Wundinfektionen oder gravierende Störung der Wundheilung sind selten. Bei Kontrakturen müssen Folgeeingriffe wie Gelenklösungen oder eine Behandlung mittels einer Quengelschiene durchgeführt werden. Bei Drehfehlen muss eine Derotations Osteotomie erfolgen, da ein Drehfehler die Funktion der Hand erheblich behindert.

Nachbehandlung bei Fingerbrüchen

Wie bei allen Handeingriffen werden die Fäden etwa zwei Wochen nach der Operation entfernt. Die Ruhigstellung hängt von der Qualität der Osteosynthese ab. Bei stabiler Osteosynthese kann im Prinzip sofort nach der Operation bewegt werden. Bei nicht ganz stabiler Osteosynthese sollte eine möglichst kurze Ruhigstellung in günstiger Stellung für das jeweilige Gelenk erfolgen.

Wichtig ist, dass die Frakturheilung im Röntgenbild deutlich der tatsächlichen Heilung hinterherhinkt. Erfahrungsgemäß sind Brüche an den Grund- und Mittelglieder nach 4-5 Wochen fest verheilt, auch wenn noch keine komplette Durchbauung im Röntgenbild zu sehen ist. Es sollten regelmäßige Röntgenkontrollen zum Verlauf der Frakturheilung und Stellung der Bruchstücke durchgeführt werden.

Nach Beendigung der Ruhigstellung sollte eine intensive Physiotherapie mittels Krankengymnastik oder Ergotherapie erfolgen, damit die Handfunktion möglichst bald wieder normal wird.