Handchirurgie am Stadtpark in Nürnberg

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Deutsche Gesellschaft Chirurgie

 

 

 

 

 

 

Motorische Ersatzoperationen

Bei ausgefallener Muskelfunktion können durch Sehnen- oder Muskelverlagerungen eines anderen Muskels Ersatzoperationen zur Wiederherstellung der Muskelfunktion durchgeführt werden. Bei diesen Operationen ersetzt der verlagerte Muskel auf Kosten des Verlustes der weniger bedeutenden ursprünglichen Funktion die wichtigere verloren gegangene Funktion. Hauptursachen für die ausgefallene Muskelfunktion sind Nervenverletzungen, Zerstörung von Muskeln oder Muskelgruppen durch Verletzungen. Motorische Ersatzoperationen kommen infrage, wenn am Nerv selbst keine Aussicht auf Besserung der Funktion besteht oder die Muskulatur untergegangen ist.

Möglichkeiten der motorischen Ersatzoperationen

Am Arm kommen für die 3 Hauptnerven Speichen-Nerv (Nervus radialis), Mittelhand-Nerv (Nervus medianus) oder Ellen-Nerv (Nervus ulnaris) unterschiedliche Operationsmethoden infrage.

Radialisersatzplastik

Zur Verbesserung der Funktion des Speichernerven (Nervus radialis) werden verschiedene Muskeln von der Beugeseite des Unterarmes auf die ausgefallenen sehnen der Streckseite verlagert. Klassische Form ist die Radialisersatzplastik nach Merle d’Aubigné.

Medianusersatzplastik

Bei Verletzungen des Mittelhand-Nerven kommt es zu einer Schwächung bzw. Untergang der Daumenballenmuskulatur. Dadurch ist die Gegenüberstellung (Opposition) des Daumens zu den anderen Fingern nicht mehr möglich. Durch verschiedene Sehnenumlagerungen im Sinne einer Opponensplastik kann die Greiffunktion der Hand wiederhergestellt werden.

Ulnarisersatzplastik

Bei Verletzungen des Ellen-Nerven sind in der Regel die Krallenbildung am Ringfinger und Kleinfinger und die Abschwächung des Spitzgriffes durch die Schwächung der kleinen Handmuskulatur störend. Zur Funktionsverbesserung kann durch Sehnenumlagerung die Überstreckung der Fingergrundgelenke am Ringfinger und Kleinfinger gebessert werden (OP nach Zancolli) und der Spitzgriff durch eine Versteifung des Daumengrundgelenkes und eine Verlagerung des kurzen Daumenstreckmuskels auf den 1. Zwischenknochenmuskel verbessert werden.

Freie Muskeltransplantation

Eine weitere Möglichkeit der Wiederherstellung ist bei fehlenden Muskeln zum Beispiel zum Beispiel nach Muskelzerstörung die Freimuskelverpflanzung mit mikrochirurgischem Nerven- und Blutgefäß-Anschluss. Dadurch kann zwar keine vollständige Wiederherstellung erzielt werden, aber doch eine deutliche Verbesserung der erheblich gestörten Muskelfunktion. Für die Verpflanzung werden Muskeln zum Beispiel vom Oberschenkel oder vom Rücken, die keinen allzu großen Defekt bei Fonds uns Ausfall hinterlassen, verwendet.

Motorische Ersatzplastik bei Peroneusparese (Fußheberschwäche)

Nicht unerwähnt bleiben soll auch eine motorische Ersatz-Operation an der unteren Extremität. Bei einer Fußheberschwäche nach Ausfall des Nervus peroneus muss in der Regel eine so genannte Peroneus-Schiene getragen werden, die den Fußrücken, der sonst nach unten fallen würde (Steppergang), nach oben fixiert. Eine sehr elegante Lösung für dieses Problem ist eine motorische Ersatzplastik, bei dem ein Muskel (Musculus tibialis posterior)l von der Innenseite der Wade zwischen den Unterschenkelknochen nach vorne in den Fußstrecker (Musculus. tibialis anterior) verlagert wird. Dadurch kann zwar keine völlig normale Funktion erzielt werden, aber doch meistens auf eine Peroneus-Schiene verzichtet werden.

Prognose und Nachbehandlung der motorischen Ersatzplastik

Eine vollständige Wiederherstellung der verloren gegangenen Muskelfunktion ist in der Regel nicht möglich, es handelt sich um Ersatzoperationen. Die Operationen ermöglichen jedoch eine Verbesserung der Greiffähigkeit der Hand mit einem erheblichen Funktionsgewinn.

Voraussetzung für die Operation ist natürlich eine frei passive Beweglichkeit der betroffenen Gelenke, da die Sehnenverpflanzung auf ein steifes Gelenk nicht sinnvoll ist.

Sehr wichtig ist auch die krankengymnastische und ergotherapeutische Nachbehandlung mit zuverlässiger Mitarbeit des Patienten zum Umlernen der Muskelfunktion. Eine Ruhigstellung für die Sehnennähte ist etwa 4 Wochen erforderlich. Durch die ergotherapeutische Nachbehandlung werden die neuen Bewegungsmuster und die Koordination auch im Gehirn umgelernt.

Risiken der motorischen Ersatzplastiken

Bei der Operation kann es wie bei allen Eingriffen zur Infektion, Nachblutung oder Wundheilungsstörung kommen. Die Nahtstellen der verlagerten Sehne können sich lockern und einen Korrektureingriff notwendig machen. Verwachsungen und Verklebungen der verlagerten Sehnen müssen unter Umständen gelöst werden. Es sind also Folgeeingriffe möglich bzw. notwendig. Wie bei der Operation an den Extremitäten besteht das geringe Risiko eines komplexen regionalen Schmerzsyndromes (CRPS).